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Waldpflege und Nutzung

Entscheidungshilfen für die Waldpflege

„Aus der Praxis für die Praxis“ lautet ein Anspruch und Gradmesser der Arbeit der NW-FVA. Deshalb ist die Hauptzielrichtung unserer angewandten Forschung die Unterstützung der Waldbewirtschaftenden bei der nachhaltigen Pflege und Nutzung der Wälder. Das betrifft gleichermaßen den öffentlichen Wald wie auch Wälder in privatem Besitz in unserem gesamten Zuständigkeitsbereich.

Die auf den zahlreichen Versuchsflächen und in waldbaulichen Experimenten gefundenen Erkenntnisse und erprobten Verfahren, die zunächst den Maßstäben einer wissenschaftlichen Überprüfung standhalten müssen, werden zu praktischen Entscheidungshilfen auf einer abgesicherten zahlenmäßigen Grundlage.

Diese betreffen vor allem die Bestandespflege und Durchforstung von Waldbeständen mit Anteilen der derzeit wichtigsten Baumarten unseres Zuständigkeitsbereiches wie Kiefer, Buche, Fichte, Eiche, Edellaubbäumen, Weichlaubbäumen, Douglasie und Lärche wie auch die Nutzung ihres wertvollen Holzes als Ergebnis langjähriger und kontinuierlicher Pflege. Daneben untersuchen wir nach wissenschaftlichen Methoden die Anbauwürdigkeit und ökologische Zuträglichkeit derzeit noch seltener, teilweise eingeführter Baumarten.

Orientierung bei zunehmenden Risiken

Angesichts der sich vollziehenden Klima- und Standortveränderungen, zunehmender abiotischer und biotischer Risiken sowie globalisierter Holzmärkte und wachsender gesellschaftlicher Anforderungen an die Wälder stehen gegenwärtig viele Gewissheiten der Vergangenheit auf dem Prüfstand und bisherige Erfahrungen und Erkenntnisse scheinen an Gültigkeit zu verlieren. Das ist auch Gegenstand unserer Forschung, die Klimaprojektionen und Zukunftsprognosen einbezieht und nach Antworten sucht, die künftig eine Orientierung bieten können.

Die Anpassung regionaler Waldbauplanungen mit einer standörtlichen Zuordnung von Mischbestandstypen unter Berücksichtigung eines künftig deutlich trockeneren Klimas ist ein erster wichtiger Beitrag dazu. Eine gute Nachricht bei allen bestehenden Unsicherheiten und Risiken: Viele vorhandene Erkenntnisse behalten ihre Gültigkeit bzw. können adaptiv, vom Bestehenden ausgehend, auch auf veränderte Rahmenbedingungen übertragen werden. Teilweise erlangt ihre konsequente Umsetzung künftig sogar eine noch größere Bedeutung. Noch längst sind nicht in allen Wäldern Bäume mit vitaler Krone und hoher Stabilität gut herausgepflegt, standortsgemäße, zur Risikoverteilung beitragende Baumartenmischungen realisiert und Waldstrukturen und funktionale Waldränder vorhanden, die geeignet sind, künftigen Herausforderungen zu widerstehen.

Praktische Unterstützung bei Anpassung der Wälder

Die Umsetzung anspruchsvoller waldbaulicher Konzepte ist komplex. Wir versuchen diese Komplexität durch unsere praktischen Empfehlungen beherrschbar zu machen durch die erkenntnisbasierte Beantwortung der wichtigsten Einzelfragen in der richtigen Reihenfolge.

In welcher Form sollen Baumarten gemischt werden, damit sie sich miteinander gut entwickeln und später natürlich zu verjüngen sind? Wie viele Bäume sollen in einem Bestand herausgepflegt werden und wie stark muss dafür eingegriffen werden? In welchen Situationen muss überhaupt steuernd eingegriffen werden und wo können natürliche Prozesse genutzt werden? Und schließlich: Wann und wieviel starkes Holz kann ich nutzen und halte gleichzeitig die Bestände stabil und schaffe gute Bedingungen für die kommende Waldgeneration? Der Beantwortung dieser Fragen widmen wir uns in wissenschaftlichen Veröffentlichungen.

Noch stärker auf die Umsetzung orientiert sind sogenannte Merkblätter, in denen die Pflege und Nutzung der wichtigsten Waldbestandstypen praktisch und anschaulich dargestellt ist. Um die Theorie mit Leben zu erfüllen, sind Fortbildungen und Lehrgänge, die wir in allen Trägerländern der NW-FVA und für alle Waldbesitzarten regelmäßig durchführen, ein wichtiger Teil unserer Arbeit, ebenso die Beratung zu allen Fragen um die Pflege und Nutzung der Wälder. Für Anregungen und konstruktive Kritik zu den Inhalten unserer Forschung und im Hinblick auf die noch bessere und effektivere Vermittlung unserer Erkenntnisse in die Praxis sind wir dabei stets sehr dankbar.