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Wachstums- und Risikomodellierung

Das Sachgebiet Waldwachstums- und Risikomodellierung untersucht und beschreibt Prozesse des Einzelbaum- und Bestandeswachstums, der dichte- und risikobedingten Mortalität von Bäumen und Beständen und der Verjüngungsetablierung mit Hilfe von statistischen Modellen. Übergeordnete Zielsetzung ist die Überprüfung von Hypothesen und die Quantifizierung von Effekten wichtiger Wachstums- und Risikofaktoren für die Entscheidungsunterstützung der forstlichen Praxis bei der Wald­bewirtschaftung. Die erstellten Modelle sind somit als Werkzeuge zu verstehen, mit denen sich die in wachstumskundlichen Daten enthaltenen Informationen analysieren und handhabbar machen lassen.

Eine besondere Herausforderung für die Waldwachstumsforschung stellt dabei der Klimawandel dar: Einerseits ist der Bedarf an Entscheidungshilfen aufgrund der langen Produktionszeiträume in der Forstwirtschaft besonders groß. Gleichzeitig wird in vielen klassischen Ansätzen Standortkonstanz unterstellt. Diese Annahme muss aufgrund des fortschreitenden Klimawandels, aber auch der anhaltenden Deposition von Luftschadstoffen als zunehmend unzulässig und in langfristigen Projektionen als unrealistisch beurteilt werden. Ein Forschungsschwerpunkt des Sachgebietes ist daher die Erweiterung der wichtigsten Wachstums- und Risikomodelle um standort- und klimasensitive Komponenten.

Die Weiterentwicklung der Modelle muss somit die Behandlungssensitivität klassischer Wachstumsmodelle mit einer expliziten Standorts- bzw. Klimasensitivität verknüpfen, um für die Entscheidungs­stützung der forstlichen Praxis realistische Projektionen unter Klimawandel durchführen zu können. Die Entscheidungsstützung bei der Wald­bewirt­schaftung umfasst beispielsweise Empfehlungen für die

  • Baumartenwahl unter Klimawandel in räumlich hoher Auflösung
  • an den Klimawandel angepasste waldbauliche Maßnahmenfolgen für die aktuelle Bestockung

Die realistische Beschreibung von Mortalitätsprozessen ist eine weitere entscheidende Voraussetzung für valide Projektionen unter Klimawandel. In Modellentwicklungen der Waldwachstumsforschung wurde bisher überwiegend die dichtebedingte Mortalität im engeren Sinne untersucht. Auch hier müssen existierende Modelle um eine explizit standortsensitive Komponente erweitert werden, um dynamische Veränderungen der Stammzahlhaltefähigkeit und des Ertragsniveaus abschätzen zu können. Eine überragende Bedeutung gewinnt jedoch zunehmend die Projektion der Mortalität aufgrund von abiotischen und biotischen Risiken. Zukünftig sollen bereits existierende Modelle zur Abschätzung des

  • Sturmschadensrisikos
  • Buchdruckerschadholzrisikos und
  • Überlebenszeit

weiterentwickelt und laufend an aktuelle Daten angepasst werden.

 

Als Querschnittsaufgabe werden im Sachgebiet die erhobenen Daten des langfristigen ertragskundlichen Versuchswesens der Abteilung Waldwachstum verwaltet. Diese wichtige Aufgabe umfasst die Digitalisierung, Prüfung und deskriptive Auswertung sowie die datenbanktechnische Sicherung und Organisation der Daten.