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Standort

Harmonisierung der Standortskartierungsverfahren für NW-Deutschland (Synopse)

Die forstliche Standortskartierung stellt sowohl für die forstliche Praxis als auch für die Forschung eine wichtige Grundlage dar. In den Trägerländern der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt werden unterschiedliche Standortskartierungsverfahren angewandt. Dies erschwert länderübergreifende Auswertungen und Vergleiche. Deshalb wurden im Rahmen langjähriger Arbeiten von Standortskartierenden und Bodenkundler:innen die länderspezifischen Verfahren zur Erfassung der Hauptmerkmale des Standortes bezüglich Klima, Nährstoff- und Wasserhaushalt kurz beschrieben und analysiert. Die vergleichbaren Merkmale der Verfahren der betrachteten Bundesländer sind einander in Form von umfangreichen Übersetzungstabellen gegenübergestellt. Sie stellen eine operationale Arbeitsgrundlage für die forstliche Forschung und Praxis dar. Siehe auch Band 12 der Beiträge aus der NW-FVA „Synopse der Hauptmerkmale der forstlichen Standortskartierungsverfahren der Nordwestdeutschen Bundesländer“.

Zeigerwerte der Vegetation in NW-Deutschland

Im Zuge der Bodenzustandserhebung II wurde in den Bundesländern Nieder­sach­sen, Hessen, Sachsen-Anhalt und Bremen erstmalig die Waldvegetation auf der Grundlage einer systematischen, repräsentativen Stichprobe erfasst. Die gemein­same Auswertung der Vegetationsdaten und Umweltvariablen (insbesondere bodenchemische Kenngrößen) an den Stichprobenpunkten der Bodenzustandserhebung ermöglichte Aussagen zu den Zusammenhängen zwischen der Pflanzenartenzusammensetzung der Waldbestände und dem Bodenzustand (pH(H2O), Basensättigung, C/N-Verhältnis, aus­tauschbare Vorräte der basischen Kationen Calcium, Magnesium und Kalium aus der Ake (effektive Kationenaustauschkapazität), jeweils bezogen auf den minera­lischen Oberboden). Ein Hauptziel war dabei, dass die Erkenntnisse über Zusammenhänge zwischen dem Vorkommen von weit verbreiteten Pflanzenarten und dem Auftreten bodenchemischer Kenngrößen direkt in der Praxis Anwen­dung finden können. Dabei wurde in erster Linie die Identifizierung von Indikator- oder Zeigerarten(-gruppen) für die Forstliche Standortskartierung angestrebt. Diese können für eine Feldeinschätzung des chemischen Oberbodenzustandes sowie des Nährstoffhaushaltes (Trophie) von Waldböden herangezogen werden oder als zusätzliche Informationsquelle dienen. Weitere Informationen finden Sie in dem Kapitel „Vegetation“ auf den Seiten 267-292 des Waldbodenzustandsberichts für Hessen.

Merkblatt zur Bodenschutzkalkung

Schwefel- und Stickstoffeinträge haben zu einer Versauerung vieler Waldböden geführt. Als Reaktion auf versauernde Einträge wurde in den 1980er-Jahren die Bodenschutzkalkungim Wald eingeführt. Parallel dazu wurden an der NW-FVA Kalkungsversuche angelegt. Die dort gewonnenen Erkentnisse dienen der kontinuierlichen Anpassung der Empfehlungen zur Bodenschutzkalkung. Das Sachgebiet Nährstoffmanagement berät alle Waldbesitzarten zu Kalkungsfragen. Die Bodenschutzkalkung ist nach wie vor eine wirksame Maßnahme zum Schutz und zur Wiederherstellung der Bodenfunktionen in Wäldern.

Handlungsempfehlungen zur Nichtderbholznutzung

Um die Funktion der Waldböden als Nährstoffspeicher und -quelle nachhaltig zu sichern, bedarf es regional und standörtlich differenzierter Empfehlungen für die Intensität der Biomassenutzung von Nichtderbholzkompartimenten. Grundlage für derartige Praxisempfehlungen sind Analysen von Nährelementgehalten in verschiedenen Kompartimenten des Bodens und der Biomasse, die im Umweltmonitoring sowie in spezifischen Experimenten erfasst werden. Auf dieser Datenbasis werden statistische Modelle für die standortsensitive Regionalisierung wichtiger Kenngrößen mit dem Ziel der Ableitung von Nutzungsempfehlungen entwickelt.

Standörtliche Zuordnung von Waldentwicklungszielen

Die standortsbezogene Zuordnung von Baumarten bzw. Mischbestandstypen aus mehreren Baumarten (WET, WEZ, BZT) baute bisher auf bestimmten Zuordnungsregeln der Kombinationen von Nährstoffeinschätzung und Wasserhaushalt der forstlichen Standortskartierung auf. Diese wurde wissenschaftlich u. a. durch bodenchemische Analysen unterstützt. Mit dem Klimawandel kann jedoch der Wasserhaushalt der Waldstandorte nicht länger als konstant angesehen werden. Deshalb werden die bewährten Planungsinstrumente der standörtlichen Zuordnung von Waldentwicklungszielen so weiterentwickelt, dass es möglich ist, eine konkrete Planung vorzunehmen, die künftige Klimaverhältnisse bereits berücksichtigt. Das zentrale Instrument dafür ist die sogenannte Standortwasserbilanz (SWB). Sie ist das Saldo aus klimatischer Wasserbilanz, die nach Klimaprojektionen den künftigen Verdunstungsbedarf der Waldbäume abbildet, und dem Wasserspeicher des Bodens. Dieser kann, ausreichende Winterniederschläge vorausgesetzt, in einem gewissen, von der Bodenart abhängigen Maß Trockenphasen puffern. Aus der Kenntnis des Wasserbedarfs der Baumarten wird so ihre künftige Eignung für bestimmte Standorte abgeleitet. Für die Aufbereitung der Klimadaten in verwendbaren räumlichen Auflösungen und die Berechnung des Bodenwasserspeichers setzt die NW-FVA Regionalisierungsmodelle ein. Erste Entscheidungshilfen der klimaangepassten Baumartenzuordnung sind mittlerweile für die Forstplanung und die Waldbesitzer:innen in den Trägerländern der NW-FVA verfügbar (Klimaangepasste Baumartenwahl in den Niedersächsischen Landesforsten und Web-Portal Baumartenwahl im hess. KuPW).

Beteiligte Sachgebiete:
Publikationen:

Schmidt W., Stüber V., Ullrich T., Paar U., Evers J., Dammann K., Hövelmann T., Schmidt M. (2015): Synopse der Hauptmerkmale der forstlichen Standortskartierungsverfahren der Nordwestdeutschen Bundesländer. Beiträge aus der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt, Bd. 12. Universitätsverlag Göttingen, Göttingen. 136 S. https://doi.org/10.17875/gup2015-797

Thoms C., Buresch M., Mindrup M., Sennhenn-Reulen H., Talkner U., Eichhorn J., Greve M., Hannemann J., Hartmann P., Haßdenteufel M., Jansone L., Krüger C., Riek W., Russ A. (2018): Nachhaltige Nährstoffversorgung und Gesunderhaltung von Wäldern - Abschlussbericht des vom BMEL geförderten Modellvorhabens. Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL), Bonn. 186 S.

Fakultät für Umwelt und Natürliche Ressourcen der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (Hrsg.) (2018): Holznutzung und Nährstoffnachhaltigkeit – Abschlussbericht zum Projekt „Energieholzernte und stoffliche Nachhaltigkeit in Deutschland (EnNa)“. Freiburger Forstliche Forschung, Berichte, Heft 101. 375 S.