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Standort

Der Standort der Bäume ist vor allem gekennzeichnet durch den Boden, das Klima und die Höhenlage. Im Rahmen der forstlichen Standortskartierung werden diese für das Waldwachstum wichtigen ökologischen Bedingungen erfasst. Die Standortskartierung stellt sowohl für die forstliche Praxis als auch für die Forschung eine wichtige Grundlage dar. Sie hat wesentlichen Einfluss auf die Baumartenwahl und die weitere Bestandesbehandlung.

Vergleichbarkeit der Standortskartierung in den vier Trägerländern gewährleisten

In den Trägerländern der NW-FVA werden unterschiedliche Verfahren in der Standortskartierung angewendet. Um dennoch länderübergreifende Auswertungen und Vergleiche durchführen zu können, wurden die länderspezifischen Verfahren zur Erfassung der Hauptmerkmale des Standortes bezüglich Klima, Nährstoff- und Wasserhaushalt beschrieben und analysiert. Für die vergleichbaren Merkmale in den vier Trägerländern wurden Übersetzungstabellen als operationale Arbeitsgrundlage für die forstliche Forschung und Praxis erstellt. Dargestellt ist dies in Band 12 der Beiträge aus der NW-FVA „Synopse der Hauptmerkmale der forstlichen Standortskartierungsverfahren der Nordwestdeutschen Bundesländer“.

Zeigerwerte der Vegetation nutzbar machen

Auch die an einem Standort vorkommenden Pflanzenarten sagen einiges über die jeweiligen Standorteigenschaften aus. Der Botaniker und Landschaftsökologe Heinz Ellenberg hat darauf aufbauend in den 1970er-Jahren ein Verfahren der „Ökologischen Zeigerwerte von Pflanzen in Mitteleuropa“ entwickelt.

In den Bundesländern Niedersachsen, Hessen, Sachsen-Anhalt und Bremen wurde im Zuge der Bodenzustandserhebung II die Waldvegetation auf der Grundlage einer systematischen, repräsentativen Stichprobe erfasst. Auch daraus wurden Zusammenhänge zwischen der Zusammensetzung der Pflanzenarten in den Waldbeständen und dem Bodenzustand im mineralischen Oberboden hergeleitet. Ein Hauptziel war, die Erkenntnisse über das Vorkommen von weit verbreiteten Pflanzenarten und dem Auftreten bodenchemischer Kenngrößen in Zusammenhang zu bringen und direkt in der Praxis anzuwenden. Dabei wurde in erster Linie die Identifizierung von Zeigerarten und -artengruppen für die forstliche Standortskartierung angestrebt. Diese können für eine Feldeinschätzung des chemischen Oberbodenzustandes sowie des Nährstoffhaushaltes von Waldböden herangezogen werden bzw. als zusätzliche Informationsquelle dienen. Dargestellt wird dies im Kapitel „Vegetation“ des „Waldbodenzustandsberichts für Hessen“ (inbes. S. 267-292).

Standörtliche Zuordnung von Waldentwicklungszielen um Komponenten des Klimawandels erweitert

Die standortsbezogene Zuordnung von Baumarten bzw. Mischbeständen aus mehreren Baumarten (bezeichnet als Waldentwicklungstyp, Waldentwicklungsziel bzw. Betriebszieltyp) baute bisher auf der Kombination von Nährstoffeinschätzung und Wasserhaushalt der forstlichen Standortskartierung auf. Diese wurde wissenschaftlich u. a. durch bodenchemische Analysen unterstützt.

Mit dem Klimawandel kann jedoch der Wasserhaushalt der Waldstandorte nicht länger als konstant angesehen werden. In die bisher bewährten Planungsinstrumente der standörtlichen Zuordnung von Waldentwicklungszielen wird deshalb an der NW-FVA die Entwicklung der künftigen Klimaverhältnisse integriert, um weiterhin möglichst zuverlässig planen zu können. Das zentrale Instrument dafür ist die sogenannte Standortswasserbilanz. Sie ist das Saldo aus klimatischer Wasserbilanz, die nach Klimaprojektionen den künftigen Verdunstungsbedarf der Waldbäume abbildet, und dem Wasserspeicher des Bodens. Der Boden kann – ausreichende Winterniederschläge vorausgesetzt – abhängig von der Bodenart Trockenphasen puffern. Aus der Kenntnis des Wasserbedarfs der Baumarten wird so ihre künftige Eignung für bestimmte Standorte abgeleitet.

Für die Aufbereitung der Klimadaten und die Berechnung des Bodenwasserspeichers setzt die NW-FVA Modelle ein. Erste Entscheidungshilfen der klimaangepassten Baumartenzuordnung sind mittlerweile für die Planungen der Forstbetriebe und der Waldbesitzenden in den Trägerländern der NW-FVA verfügbar. Näheres dazu findet sich in dem Band „Klimaangepasste Baumartenwahl in den Niedersächsischen Landesforsten“ sowie im Web-Portal BaEm.

Bodenschutzkalkung gegen Versauerung der Waldböden

Schwefel- und Stickstoffeinträge haben zu einer Versauerung und damit zur Beeinträchtigung des Nährstoffhaushaltes vieler Waldböden geführt. Als Reaktion darauf wurde in den 1980er-Jahren mit Bodenschutzkalkungen im Wald begonnen. Parallel dazu wurden an der NW-FVA Kalkungsversuche angelegt. Die dort gewonnenen Erkenntnisse dienen der kontinuierlichen Anpassung der Empfehlungen zur Bodenschutzkalkung.

Das Sachgebiet Nährstoffmanagement berät alle Waldbesitzarten zu Kalkungsfragen. Die Bodenschutzkalkung ist nach wie vor eine wirksame Maßnahme zum Schutz und zur Wiederherstellung der Bodenfunktionen in den Wäldern.

Handlungsempfehlungen zur Nichtderbholznutzung

Auf Waldböden, die nicht allzu reich mit Nährstoffen ausgestattet sind, kann es durch die übermäßige Nutzung von Biomasse unterhalb der Derbholzgrenze zu Verarmungserscheinungen kommen. Damit die Funktion der Waldböden als Nährstoffspeicher und -quelle nachhaltig gesichert bleibt und der Nährstoffhaushalt nicht gestört wird, bedarf es standörtlich differenzierter Empfehlungen zur Biomassenutzung und damit zur Intensität des Nährstoffaustrages.

Grundlage für derartige Praxisempfehlungen sind Analysen von Nährelementgehalten in verschiedenen Kompartimenten des Bodens und der Biomasse, die im Umweltmonitoring und in spezifischen Experimenten erfasst werden. Auf dieser Datenbasis werden statistische Modelle für aussagekräftige Kenngrößen entwickelt. Die NW-FVA leitet hieraus konkrete Nutzungsempfehlungen ab.

Beteiligte Sachgebiete:
Publikationen:

Schmidt W., Stüber V., Ullrich T., Paar U., Evers J., Dammann K., Hövelmann T., Schmidt M. (2015): Synopse der Hauptmerkmale der forstlichen Standortskartierungsverfahren der Nordwestdeutschen Bundesländer. Beiträge aus der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt, Bd. 12. Universitätsverlag Göttingen, Göttingen. 136 S. https://doi.org/10.17875/gup2015-797

Thoms C., Buresch M., Mindrup M., Sennhenn-Reulen H., Talkner U., Eichhorn J., Greve M., Hannemann J., Hartmann P., Haßdenteufel M., Jansone L., Krüger C., Riek W., Russ A. (2018): Nachhaltige Nährstoffversorgung und Gesunderhaltung von Wäldern - Abschlussbericht des vom BMEL geförderten Modellvorhabens. Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL), Bonn. 186 S.

Fakultät für Umwelt und Natürliche Ressourcen der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (Hrsg.) (2018): Holznutzung und Nährstoffnachhaltigkeit – Abschlussbericht zum Projekt „Energieholzernte und stoffliche Nachhaltigkeit in Deutschland (EnNa)“. Freiburger Forstliche Forschung, Berichte, Heft 101. 375 S.