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Bestandesbegründung

Der Begriff Bestandesbegründung bezeichnet die gezielte Neuanlage von Waldbeständen. Bei der Planung sind zahlreiche Faktoren wie z. B. der Standort, die Verfügbarkeit und Qualität des Saatgutes oder Pflanzenmaterials sowie logistische Gesichtspunkte zu berücksichtigen – und ein bisschen Glück braucht man auch. Der Klimawandel erschwert die Bestandesbegründungen zusätzlich, sorgt er doch dafür, dass viele Erfahrungswerte nicht mehr gelten und kurzfristige Extremereignisse den Erfolg in Frage stellen können.

Bodenvorbereitung wird differenziert betrachtet

Häufig sind vor den eigentlichen Bestandesbegründungen bodenvorbereitende Maßnahmen erforderlich. Um hier konkrete Empfehlungen aussprechen zu können, welche Bodenvorbereitungsverfahren in bestimmten Situationen am besten geeignet sind, unterhält die NW-FVA Versuchsflächen zu diesem Thema. Dazu gehört auch, den Erfolg der verschiedenen Bodenvorbereitungsverfahren (z. B. Silvafix, Waldpflug oder Mulchgerät) und die weitere Entwicklung der Saaten und Pflanzungen auf den Flächen über längere Zeiträume wissenschaftlich zu untersuchen.

Die richtige Baumartenwahl im Klimawandel

Zudem muss vor der Bestandesbegründung entschieden werden, welche Baumarten im Hinblick auf den konkreten Standort und die projizierte Klimaentwicklung empfohlen werden (Baumartenempfehlungen BaEm). Der Anbau von seltenen heimischen und aus anderen Ländern eingeführten Baumarten erhält im Klimawandel immer größere Bedeutung. Aussagen über die Eignung einiger eingeführter Baumarten können an der NW-FVA an älteren Anbauversuchen getroffen werden. Zusätzlich werden in den Fokus geratene Baumarten, wie z. B. Baumhasel, Esskastanie und Hickory sowie bisher seltene Arten, wie Flaumeiche, in neueren Anbauversuchen getestet. Baumartensteckbriefe sind in der Veröffentlichung Anbauwürdigkeit und ökologische Zuträglichkeit alternativer Baumarten in Nordwestdeutschland (PDF, 41 MB) zu finden.  

Saat oder Pflanzung und welches Verfahren?

Zu entscheiden ist immer, ob ein neuer Bestand durch Saat oder durch Pflanzung begründet werden soll und welche Verfahren im Einzelfall am sinnvollsten und erfolgversprechendsten sind. Bei der Saat wird neben den unterschiedlichen Verfahren zur Begründung auf Versuchsflächen untersucht, wie sich die Beschaffenheit des Bodens und unterschiedliche Überschirmungen auf den Keimungs- und Wachstumserfolg auswirken.

Bei den Untersuchungen an gepflanzten Kulturen liegt der Fokus insbesondere auf der Entwicklung der Wurzeln. Dabei sind ebenfalls unterschiedliche Verfahren wie z. B. Hohlspaten- oder Baggerpflanzung Gegenstand der Untersuchungen auf den Testflächen der NW-FVA. Darüber hinaus werden Unterschiede zwischen wurzelnackten Pflanzen und Ballenpflanzen, Baumschulpflanzen und Wildlingen sowie zwischen verschiedenen Größensortimenten untersucht.

Optimierte Beratung für die Wälder der Zukunft

Im Hinblick auf den Klimawandel und die in den vergangenen Jahren entstandenen großen kalamitätsbedingten Freiflächen in den Wäldern werden Mischbestände  und Bestände aus Naturverjüngung immer wichtiger. Je breiter der neue Wald aufgestellt ist, desto besser kann er Wetterextremen trotzen. Aus diesen Gründen ist auch das Konkurrenzverhalten zwischen beteiligten Baumarten wie z. B. Roteiche (Quercus rubra) und Rotbuche (Fagus sylvatica) oder Douglasie (Pseudotsuga menziesii) und Fichte (Picea abies) in der Jungwuchsphase von Interesse. Ebenso werden die Bedingungen und Faktoren für eine gelungene Naturverjüngung in Eichenbeständen auf Versuchsflächen erforscht.

Die Forschung der NW-FVA im Bereich der Bestandesbegründung ist somit darauf ausgerichtet, optimale Verfahren und Baumarten zu identifizieren. Die Erkenntnisse daraus dienen der praxisorientierten Beratung von Waldbesitzenden und Forstbetrieben, so dass klimastabile und widerstandsfähige Wälder für die Zukunft entstehen, welche die vielfältigen Ansprüche weiterhin bestmöglich erfüllen können.

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