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Pressemitteilung: Wiedervernässung im Waldmoor Wildenkiel fördert Artenvielfalt und Kohlenstoffspeicherung

17. April 2026: Mit einer Vorstellung der Projektergebnisse im Waldmoor Wildenkiel bei Neuhaus im Solling endete am 15. April das von der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt (NW-FVA) und den Niedersächsischen Landesforsten gemeinsam durchgeführte Forschungs- und Umsetzungsprojekt „Birken-Monitoring in Waldmooren nach Wiedervernässungsmaßnahmen“ (BiMoWa).

Das seit Dezember 2024 im größten Niedermoorkomplex des Sollings laufende Projekt BiMoWa wurde durch das Niedersächsische Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz mit rund 400 000 Euro gefördert.

Hierzu Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte: „Als moorreichstes Land zählt es zu unseren Kernanliegen Moore zu erhalten und wieder zu vernässen. Wir müssen die hohen Treibhausgasemissionen aus bewirtschafteten, aber auch aus bislang nicht optimal vernässten Moorböden senken, damit wir unsere Klimaziele erreichen. Und dabei ist das „Wie?“ eine ganze entscheidende Frage, der wir hier im Waldmoor Wildenkiel nachgehen. Dank der Monitoring­flächen erhalten wir künftig belastbare Ergebnisse, wie sich die Vernässung und die Reduktion des Birkenaufwuchses auf den Wasserhaushalt und die Vegetation von Waldmooren auswirkt. Gleichzeitig haben wir es mithilfe der Wiedervernässung erreicht, die typische Artenvielfalt zu fördern und die Voraussetzungen für eine langfristige Kohlenstoffspeicherung zu schaffen.“

Anhand historischer Karten und aktueller Laborwerte konnte rekonstruiert werden, dass die Moorausdehnung in den letzten 60 Jahren um etwas mehr als die Hälfte zurückgegangen ist und dabei rund 50 % des darin gespeicherten Kohlenstoffs freigesetzt wurde. Aktuell speichert das Moor auf einer Fläche von 208 Hektar rund 55 000 Tonnen Kohlenstoff. Rund 25 % der Fläche wurden vom Forstamt Neuhaus bereits wiedervernässt. Ein hydrologisches Monitoring der Landesforsten unterstreicht die Wirksamkeit der Maßnahmen.

Nachdem die jahrhundertelange Entwässerung des Moores die Torfeigenschaften im Oberboden verschlechtert hat, benötigt das Moor – selbst bei ausreichender Wasserversorgung – viel Zeit, um sich dem ursprünglichen Wasserhaushalt, der moortypischen Artenzusammensetzung sowie den natürlichen Auf- und Abbauprozessen anzunähern. Mit dem Forschungsvorhaben wurde die Frage nach einer geeigneten Pflege für diese Übergangsphase von ehemals mit Fichten bewachsenen und von den Landesforsten aufwändig wiedervernässten Bereichen im südlichen Teil des Waldmoorkomplex Wildenkiel untersucht.

„Auf den Freiflächen im Waldmoor Wildenkiel hat inzwischen eine natürliche Wiederbewaldung mit Moorbirken eingesetzt. Zwar entspricht dies der natürlichen Vegetation, ein zu dichter Gehölzbewuchs wirkt sich jedoch nachteilig auf lichtliebende moortypische Pflanzenarten und den Wasserhaushalt des Moores aus“, berichtet Maria Aljes, Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Sachgebiet Arten- und Biotopschutz der NW-FVA in Hann. Münden. Die Birken entziehen dem Boden viel Wasser, sodass für das Torfmooswachstum und die Moorentwicklung die notwendige Feuchtigkeit in den oberen Bodenschichten fehlt. Daher ist es wichtig, Konzepte für die erfolgreiche Übergangspflege der jungen Birken zu entwickeln, die auch bei anderen Renaturierungsprojekten Anwendung finden können. In diesem Projekt wurden insgesamt vier verschiedene Pflegevarianten mit verschiedenen technischen Verfahren und der Beweidung mit Schafen erprobt.

Ein weiterer entscheidender Projektbaustein waren von den Niedersächsischen Landesforsten durchgeführte Wiedervernässungsmaßnahmen im Naturschutzgebiet Kleines Bruch. „Es wurden 2 600 laufende Meter Grabensystem gesäubert, verfüllt und mit dem ausgehobenen Material wieder verdeckt. Dabei kamen 5 000 Tonnen Mineralboden und 890 Kubikmeter Sägemehl als Füllmaterial zum Einsatz“, berichtet Anne Wittenberg, Försterin für Waldökologie beim Forstamt Neuhaus. Bereits jetzt können die Maßnahmen als Erfolg verbucht werden, da viel mehr Wasser als zuvor im Moor verbleibt. Dies sichert den Kohlenstoffvorrat im Moor und langfristig kann dort auch wieder Kohlenstoff gebunden werden.

 

Hintergrund:

Die Niedersächsischen Landesforsten

Das Waldmoor Wildenkiel ist ein wichtiger Baustein in der Gesamtstrategie zum Schutz der Moore im Solling. Der Solling hatte ursprünglich eine Moorfläche von über 1 000 Hektar, verteilt auf etwa 30 Moore, die in früheren Jahrhunderten fast alle entwässert wurden. Die Forstämter Dassel und Neuhaus arbeiten seit circa 20 Jahren systematisch daran, die wertvollsten Flächen zu renaturieren und haben dafür unter Nutzung von Förderprogrammen bereits mehrere Millionen Euro im Solling investiert. 40 % der potenziellen Renaturierungsflächen wurden damit bereits instandgesetzt.

Die Niedersächsischen Landesforsten verfolgen mit der Renaturierung der Solling-Moore vier Ziele:

  • Klimaschutz durch Minderung von Kohlendioxid-Emissionen
  • Hochwasserschutz: Zurückhalten von Hochwasserspitzen, da das intakte Moor wie ein Schwamm wirkt
  • Grundwasserbildung und Trinkwasserschutz: Verstetigter Wasserabfluss von sauberem Wasser aus einem intakten Moor hat positive Auswirkungen auf Grundwasserbildung und damit langfristig Trinkwassersicherung
  • Verbesserung der Biodiversität: Moore sind sehr seltene und wertvolle Lebensräume und ein intakter Gebietswasserhaushalt kommt auch Bächen und Quellen zugute

Auswirkungen des Waldmoors Wildenkiel auf den Klimaschutz: 
Der weiterhin entwässerte und bewirtschaftete Restbereich emittiert 1 125 t CO2 pro Jahr. Das entspricht den jährlichen Emissionen von rund 26 Vier-Personen-Haushalten. Bei fortschreitender Entwässerung droht der Torfkörper bis zum Jahr 2060 vollständig zu verschwinden. 

Die folgenden Bilder können kontextbezogen im Rahmen der Pressearbeit kostenlos verwendet werden:

Foto 1 (jpg-Datei, 4 MB):
Bildunterschrift: Ministerin Staudte informierte sich vor Ort über die Projektergebnisse. (Foto: Marcus Schmidt)

Foto 2 (jpg-Datei, 7 MB):
Bergschafe drängen Birkenaufwuchs im Moor zurück. (Foto: Anne Wittenberg)

Foto 3 (jpg-Datei, 5 MB):
Alter Moorbirkenbruchwald im Naturschutzgebiet „Kleines Bruch“ (Solling). (Foto: Marcus Schmidt)