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Natürliche Waldentwicklung in Deutschland: Perspektiven und Potenziale für die Entwicklung eines kohärenten NWE-Systems

(Abkürzung: NWePP)

Hintergrund

Bereits seit Anfang der 1990er Jahre wird von Naturschutzseite ein Flächenanteil von 5 – 10 % an Wäldern mit natürlicher Entwicklung in Deutschland empfohlen. Diese Zielgröße hat 2007 Eingang in die NBS gefunden. Im Einzelnen soll im Jahr 2020 eine natürliche Waldentwicklung auf 5 % der gesamten Waldfläche und 10 % des öffentlichen Waldes stattfinden. Zudem sollen sich 2 % der Landfläche in Deutschland zu Wildnisgebieten entwickeln. Größere Teile der möglichen Wildnisentwicklungsflächen sind bereits Waldflächen oder werden sich nach Nutzungsaufgabe wiederbewalden. Hieraus ergibt sich eine gewisse Schnittmenge mit der NWE-Flächenkulisse.

Mit Abschluss des Forschungs- und Entwicklungsvorhabens (F+E-Vorhaben) „Natürliche Waldentwicklung als Ziel der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt“ (NWE5) im Jahr 2013 wurde deutlich, dass die quantitativen Ziele der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt (NBS) in Bezug auf „Wälder mit natürlicher Entwicklung“ (NWE) ohne gesonderte Anstrengungen bis zum Jahr 2020 voraussichtlich nicht erreicht werden. Zum Stichjahr 2013 konnten 1,9 % der Waldfläche Deutschlands als NWE-Flächen bilanziert werden. Darüber hinaus zeigte sich, dass die vorhandene NWE-Flächenkulisse Repräsentativitätslücken aufweist, die im Zuge einer systematischeren Schutzgebietsplanung geschlossen werden sollten, um sowohl einen umfassenden Schutz der waldgebundenen biologischen Vielfalt zu gewährleisten als auch ökonomische Kriterien in die Auswahlentscheidung einzubeziehen.

In Deutschland gibt es jedoch neben den bilanzierten Flächen potenzielle NWE-Flächen (NWEpot.) in einem vermutlich erheblichen Umfang, deren natürliche Entwicklung nicht verbindlich und dauerhaft gesichert ist, die sich aber seit geraumer Zeit bereits ohne forstliche Nutzungs- und naturschutzfachliche Pflegemaßnahmen eigendynamisch entwickeln. Hierzu zählen u. a. Wälder auf extremen Standorten (z. B. Steillagen, nicht begehbare Nassstandorte) und im Kleinprivatwald. Da die NBS nicht zwangsläufig eine öffentlich-rechtliche Sicherung für NWE vorsieht, ist es sinnvoll, den Umfang dieser Waldflächen ebenfalls belastbar zu erheben sowie ihre Anerkennungsfähigkeit und naturschutzfachliche Eignung vor dem Hintergrund des angestrebten Lückenschlusses zu prüfen.

Zielstellung

Das F+E-Vorhaben NWePP soll Grundlagen für die quantitative und qualitative Weiterentwicklung der NWE-Flächenkulisse durch die Einbeziehung von NWEpot.-Flächen aufzeigen und Vorschläge machen, wie deren Anerkennung als NWE im Sinne der Definition des F+E-Vorhabens NWE5 erreicht werden kann.

Im Einzelnen werden die folgenden Zielstellungen verfolgt:

I.      Erarbeitung geeigneter Kriterien zur Kategorisierung von bereits heute nicht mehr forstlich genutzten und/oder naturschutzfachlich gepflegten NWEpot.-Flächen,

II.    Beschaffung und Bewertung der verfügbaren Datengrundlagen und Entwicklung von Verfahren zur Bestimmung von Umfang und räumlicher Verteilung der NWEpot.-Flächen,

III.   Ermittlung des Umfangs und der räumlichen Verteilung der NWEpot.-Flächenkulisse,

IV.  Aktualisierung der Bilanz und Repräsentativitätsanalyse der NWE-Flächen Mitte des Jahres 2018,

V.    Bewertung der NWEpot.-Flächenkulisse im Hinblick auf ihren komplementären Beitrag zu einem kohärenten NWE-System in Deutschland,

VI.  Recherche und Aufbereitung praxisreifer Verfahren, um die Anerkennung von NWEpot.-Flächen zu erreichen.

Laufzeit: 1. April 2016 bis 31. März 2019

Beteiligte Abteilungen der NW-FVA: Waldwachstum

Antragsteller: Prof. Dr. Hermann Spellmann, Dr. Peter Meyer

Förderung: Gefördert durch das Bundesamt für Naturschutz (BfN) mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB)

Kontakt: Falko Engel

Publikationen:
Engel, F., Bauhus, J., Gärtner, S., Kühn, A., Meyer, P., Reif, A., Schmidt, M., Schultze, J., Späth, V., Stübner, S., Wildmann, S. & Spellmann, H. (2016)
: Wälder mit natürlicher Entwicklung in Deutschland: Bilanzierung und Bewertung. Naturschutz und Biologische Vielfalt 145. Bundesamt für Naturschutz (BfN) – Münster (Landwirtschaftsverlag), 267 S.
Engel, F., Meyer, P., Bauhus, J., Gärtner, S., Reif, A., Schmidt, M., Schultze, J., Wildmann, S. & Spellmann, H. (2016): Wald mit natürlicher Entwicklung – ist das 5 %-Ziel erreicht? – AFZ - Der Wald,71, 46–48.
Spellmann, H., Engel, F. & Meyer, P. (2015): Natürliche Waldentwicklung auf 5 % der Waldfläche − Aktuelle Bilanzen und Beitrag zum 2 %-Wildnisziel. Natur und Landschaft, 90, 413-416.