Geschichte der Abteilung Waldschutz der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt

 

Fusion zur NW-FVA am 01.02.2006

Zum 01.02.2006 wurde der Staatsvertrag zur Fusion des Forstlichen Versuchswesens zwischen den Ländern Niedersachsen, Hessen und Sachsen-Anhalt abgeschlossen. Die neu gegründete Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt (NW-FVA) gliedert sich in 4 Abteilungen. Das Land Schleswig-Holstein hatte kein eigenes forstliches Versuchswesen und wurde bis 2010 im Rahmen einer Verwaltungsvereinbarung in Waldschutzfragen beraten und betreut. 2011 ist Schleswig-Holstein dem Staatsvertrag zur Gründung der NW-FVA beigetreten.


Geschichte und Entwicklung in Niedersachsen

Die Abteilung hat ihre Wurzeln in der alten Preußischen Forstlichen Versuchsanstalt in Eberswalde. Dort hatte 1938 der Professor für Forstentomologie Dr. Fritz Schwerdtfeger das Institut für Waldschutz gegründet. Schon wenige Monate nach Kriegsende wurde er von der damaligen Hannoverschen Provinzialregierung als „Borkenkäfer-Kommissar“ im Harz angestellt, um der Verwaltung bei der Bekämpfung der in den letzten Kriegsjahren ausgebrochenen Borkenkäferkalamität als Sachverständiger zu helfen. Diese Epidemie hatte schon in den letzten Kriegsjahren begonnen, begünstigt durch warme Sommer, insbesondere aber durch den kriegsbedingten Mangel an Arbeitskräften, die zum rechtzeitigen Fällen und Entrinden der frisch befallenen Fichten und zur Begrenzung der weiteren Ausbreitung des Befalls benötigt wurden. Als Folge dieser Käfergradation mussten in Mitteleuropa bis 1950 etwa 30 Millionen Festmeter Käferholz eingeschlagen werden.
Aus der „Forstschutzstelle Prof. Schwerdtfeger“ in Sieber/Harz wurde schließlich 1953 die Abteilung „Forstschädlingsbekämpfung“ an der 1949 gegründeten „Niedersächsischen Forstlichen Versuchsanstalt“ (NFV) in Göttingen. Im Jahr 2000 fand eine Neuorganisation der Niedersächsischen Forstlichen Versuchsanstalt und damit auch der Abt. „Waldschutz“ statt. Sie hatte danach vier Sachgebiete, die eng zusammenarbeiteten und sich gegenseitig unterstützten.


Geschichte und Entwicklung in Hessen

Die geschichtliche Entwicklung des Versuchswesens in Hessen geht auf die 1882 gegründete Forstliche Versuchsanstalt für Hessen-Darmstadt zurück, die bis 1949 existierte. Zum 01.10.1949 wurde in Gießen die Hessische Forsteinrichtungs- und Versuchsanstalt gegründet, zu der ab 1958 eine Zweigstelle Forstpflanzenzüchtung gehörte. Ab 1962 wurde diese Zweigstelle das Hessische Institut für Forstpflanzenzüchtung. 1972 wurde aus dieser Institution das Institut für Forstproduktion, später durch die Bezeichnung „Forstschutz“ erweitert. Diese Institution in Hann. Münden bestand bis 1994 und ging in der Hessischen Landesanstalt für Forsteinrichtung, Waldforschung und Waldökologie (HLFWW) auf. Die HLFWW war in 7 Abteilungen gegliedert, die Abt. 6 hatte die Bezeichnung Waldschutz. Im Jahre 2001 erfolgte die Umwandlung in die Servicestelle Forsteinrichtung, Information und Versuchswesen (FIV) unter weitgehender Kontinuität von Aufgaben und Personal.
Herausragende Waldschutzaktivitäten waren im Frühjahr 1966 zu verzeichnen, als der europaweit erste Großversuch zur Bekämpfung des Eichenwicklers (Tortrix viridana) mit dem biologischen Mittel Bacillus thuringiensis durchgeführt wurde. Im Jahr 1979 wurde erstmals die Bekämpfung des Buchdruckers (Ips typographus) mit synthetischen Lockstoffen (Pheromonen) in Kooperation mit dem Forstzoologischen Institut der Universität Freiburg durchgeführt.


Geschichte und Entwicklung in Sachsen-Anhalt

Die Entwicklung und Entstehung einer Forstschutz-Stelle für Sachsen-Anhalt geht ebenfalls auf die preußische Hauptstation für das forstliche Versuchswesen in Eberswalde zurück. Das Eberswalder Versuchswesen konnte in Resten bis über den 2. Weltkrieg gerettet werden und wurde 1950 im Institut für Forstwissenschaft am selben Ort zusammengefasst. Nach der Wiedervereinigung wurde 1991 eine neue Waldschutzeinrichtung für Sachsen-Anhalt gegründet. Es entstand die Forstliche Versuchsanstalt in Flechtingen, deren organisatorische Struktur sich nach einem Jahr durch Zusammenlegung mit der Forstplanung zur Forstlichen Landesanstalt und 2004 durch Übertragung der Aufgaben an den Landesbetrieb Forst änderte.

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