Ertragskunde
Waldverjüngung
Waldnaturschutz / Naturwaldforschung
Wachstumsmodellierung / Informatik
Mitarbeiter/-innen
Arbeitsschwerpunkte
Software
 

SimWald - Das Spiel zur Nachhaltigkeit

Sie können das Spiel lokal installieren. (Voraussetzungen: Java u. Java3D) Downloaden Sie dazu die Datei SimWald7.zip bei Problemen mit der 3D-Darstellungen lesen Sie bitte die Datei: Java3D_Installation.pdf )

Das Spiel

Stellen Sie sich vor, Sie hätten in einer Lotterie überraschend einen kleinen Wald gewonnen. Die einzige Bedingung, Sie dürfen ihn in den nächsten Jahren nicht verkaufen. Was sollen Sie machen ? Der Förster, der die benachbarten Waldflächen bewirtschaftet, bietet Ihnen an, für Sie den Holzverkauf zu übernehmen und kann Ihnen für den Holzeinschlag und das Rücken einen lokalen Waldarbeiter vermitteln. Dieser Waldarbeiter sägt für Sie das Holz und kann auch das Holz mit seinem Trecker rücken. Sie brauchen nur die Bäume auszeichnen, die entnommen werden sollen. Dazu klicken Sie die Bäume mit der rechten Maustaste an, die Bäume erhalten dann eine rote Markierung. Während der 5-jährigen Wachstumsintervalle können mittlere und starke Stürme auftreten. Diese führen insbesondere bei den Fichten zu mehr oder weniger starkem Windwurf.
Versuchen Sie Ihr Glück.
Der Wald hat in Deutschland für die Bevölkerung eine besondere Bedeutung. Er gehört zu unserem Lebensraum, ist Holzlieferant, Erholungsgebiet, Wasserspeicher, Erosion- und Lawinenschutz, Naturschutzgebiet und Arbeitsstätte. Je nach dem Interesse des Einzelnen werden daher recht unterschiedliche Ansprüche an die Leistung und die Bewirtschaftung der Wälder gestellt. SimWald soll spielerisch einen Eindruck über die Möglichkeiten der Bewirtschaftung eines Waldes und die Auswirkungen auf die Waldfunktionen geben. Es baut auf dem Waldwachstumssimulator der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt auf. 

Und so wird gespielt:

  1. Markieren Sie Bäume zur Entnahme (Rechte Maustaste).
  2. Fällen Sie die Bäume (Knopf drücken).
  3. Verkaufen Sie das Holz (Knopf drücken).
  4. Bessern Sie gegebenenfalls den Weg aus (Knopf drücken).
  5. Lassen Sie den Bestand 5 Jahre weiter wachsen (Knopf drücken).

Wiederholen Sie die Schritte 1-5 beliebig oft.

Hinweise zur 3D-Ansicht “Im Wald”:

  • Mit der rechten Maustaste können Sie Bäume zum Fällen markieren. Die Bäume erhalten ein rotes Dreieck auf der Kronenspritze und einen roten Ring am Stamm.
  • Drücken Sie die linke Maustaste und bewegen die Maus so, wie wir den Bestand drehen möchten.
  • Den Bestand können Sie vergrößern und verkleinern. Dazu das Mausrad drücken und die Maus vor und zurück bewegen.
  • Zum Verschieben des Bestandes beide Maustasten drücken und die Maus nach rechts und links bewegen.
  • Sie wollen in den Bestand marschieren. Damit das funktioniert, klicken wir einmal in die Grafik und marschieren dann mit den Pfeiltasten in den Bestand. Vorsicht, dass Sie nicht gegen einen Baum laufen.
  • Mit den Tasten Bild rauf und Bild runter können Sie nach oben bzw. unten den Blick verändern

Waldfunktionen

Der Wald hat eine unterschiedliche Funktion für die verschiedenen Nutzer. Die wichtigsten Waldfunktionen werden in der Simulation vereinfacht abgebildet. Einige Funktionen, wie z.B. der Wasserschutz, lassen sich in diesem Beispiel jedoch nicht verdeutlichen.

1. Funktion Einkommen
Dieses ist eine wichtige Funktion aus Sicht des Waldbesitzers. Ein Forstbetrieb kann auf Dauer nur nachhaltig wirtschaften, wenn er auch ein regelmäßiges Einkommen hat. In der Simulation werden zwei Indikatoren zu dieser Funktion dargestellt. Erstens wird der Bestandeswert als der Wert aller Bäume ermittelt, wenn diese sofort verkauft werden könnten. Der angegebene Wert ergibt sich aus dem Volumen der Stämme. Von diesem Wert müßte man allerdings die Holzerntekosten, Steuern und die Kulturkosten abziehen, wenn man ihn im Rahmen eines Kahlschlags realisieren möchte. Interessant ist allerdings die Veränderung über die Zeit, die durch das Wachstum, das Absterben und die Entnahme von Bäumen beeinflußt wird. Die Preise werden in der Simulation stabil gehalten. Der zweite Indikator Erlös ergibt sich aus der Entnahme und der Möglichkeit, das entnommene Holz zu verkaufen. Die Preise für die Baumarten unterscheiden sich, mit zunehmenden Durchmesser steigt der Preis pro Kubikmeter Holz, bei der Fichte nimmt er ab einem gewissen Durchmesser wieder ab. Dies hängt damit zusammen, daß sich stärkeres Holz z.Zt. nur schwer verkaufen läßt und die dickeren Stämme einer höheren Wahrscheinlichkeit der Entwertung durch Fäule und Pilze unterliegen. In der Simulation wird davon ausgegangen, daß Sie die Holzerlöse mit einer Verzinsung von 4% bei einer Bank anlegen, daher steigt der Betrag des Holzerlöses von Zeitschritt zu Zeitschritt auch wenn Sie keine Holzernte durchgeführt haben.
2. Funktion Holzvorrat
Der Holzvorrat ist die aufstockende Holzmasse. Auch sie ändert sich über die Zeit durch Wachstum, Mortalität, Entnahmen und Einwuchs. Im Sinne einer nachhaltigen Erzeugung und Bereithaltung von Holz sollte der Holzvorrat nicht zu stark gesenkt werden.
3. Funktion Rohstoff
Holz ist ein wichtiger nachwachsender Rohstoff für unsere Gesellschaft auf den wir nicht verzichten können. In der Bundesrepublik wird mehr Holz verbraucht als in den heimischen Wäldern eingeschlagen wird. Der Import von Holz aus anderen Ländern hat leider z.T. die Folge, daß in einigen Ländern riesige Plantagen angelegt, die nicht immer als ökologisch wertvoll eingestuft werden können, oder daß Waldgebiete wie die Regenwälder unkontrolliert genutzt werden, und für immer verloren gehen.
4. Funktion Arbeit
Der Wald stellt seit Jahrhunderten auch Arbeitsplätze. Gerade in ländlichen Räumen hat diese Funktion z. T. noch heute eine große Bedeutung. In diesem Sinne ist die Arbeitsfunktion zu werten, die in der Simulation mit dem Betrag für das Fällen und Rücken der Stämme ausgedrückt wird, die der Waldarbeiter für seine Tätigkeit erhält. Die Erneuerung des Weges wird mit pauschal 540€ angesetzt (gleichzeitig reduziert sich die Erlösfunktion um diesen Betrag).
5. Faktor C02-Speicher
Wald kann einen Beitrag zur Reduktion des Treibhausgases CO2 leisten. Pro Kilogramm Holz werden im Schnitt 1,44 kg CO2 gebraucht. Ein vorratsreicher Wald mit einem hohen Zuwachs hat daher ein großes CO2-Minderungspotential. Pro Tonne Holz können allein bei der Verbrennung im Vergleich zu Heizöl je nach Baumart zwischen 1,3 und 1,8 Tonnen eingespart werden. Die Verbrennung des Holzes sollte jedoch erst am Ende der Holznutzung erfolgen, weil die Verwendung von Holz z.B. für Möbel, Bodenbeläge, Fenster und im Bau in der Regel zu einer größeren CO2-Minderung führt.
6. Funktion Naturschutz
Der Wald ist Rückzugsgebiet und Lebensraum vieler Arten, daher kommt der Naturschutzfunktion eine große gesellschaftliche Bedeutung zu. Die Waldfunktion Naturschutz wird in der Simulation mit den drei Indikatoren Diversität, Totholz und Habitatbäume abgebildet.
Diversität bedeutet im Wald Vielfalt, nämlich viele Baumarten, große und kleine Bäume, lichte und schattige Stellen. Durch die Vielfalt wird das Lebensangebot im Wald bestimmt, allgemein gilt die Regel je mehr Diversität desto mehr Arten können dort leben. Bisher kann man leider nicht genau festlegen, wieviel Diversität in einem bestimmten Waldtyp notwendig bzw. wünschenswert ist. Man muß auch Bestandesdiversität von großflächiger Diversität unterscheiden. In der Simulation kann nur die Diversität auf Bestandesebene betrachtet werden. Der Indikator wird aus dem Verhältnis jedes Baumes zu seinen Nachbarn hergeleitet.
Das Totholz im Wald ist ein wichtiger Lebensraum für viele Arten, besonders Pilze und Insekten. Die Menge Totholz wird am Anfang der Simulation berechnet. Nach jedem Simulationsschritt wird die Menge neu bestimmt, wobei für Laubholz eine Zerfallsrate von 3,5% und für Fichte eine von 2,5% unterstellt wird. Für die Bewertung wird der aktuelle Totholzwert mit dem Anfangswert verglichen. Weicht der Wert 5% positiv ab, so hat sich der Totholzanteil verbessert, weicht der Wert 5% negativ ab, so hat sich der Totholzanteil verschlechtert.
Mit Habitatbäumen sind große und starke Bäume gemeint, die im Rahmen der Holzernte nicht genutzt werden. Diese bieten eine Lebensgrundlage für spezielle Tier- und Vogelarten, z.B. für Spechte. In der Simulation wird für den Indikator Habitatbäume die Zahl der Bäume mit einem Durchmesser von über 75cm bewertet.
7. Funktion Erholung
In unserer Gesellschaft bietet der Wald eine ideale Möglichkeit zur Erholung und Entspannung. Besonders in stadtnahen Gebieten wird der Wald von vielen Spaziergängern, Wanderern, Joggern und Radfahrern genutzt. Die Waldbesitzer stellen die dafür notwendige Infrastruktur, wie Wege, Bänke, Parkplätze und Hinweistafeln meist kostenlos der Allgemeinheit zur Verfügung. In der Simulation wird die Erholungsfunktion vereinfacht über den Zustand eines Weges abgebildet.
8. weitere Waldfunktionen
Im Rahmen dieser Simulationen lassen sich die weiteren Waldfunktionen, wie z.B. der Wasserschutz nicht darstellen. Es sei aber daraufhin gewiesen, daß im Rahmen einer nachhaltigen Forstwirtschaft noch weitere Waldfunktionen berücksichtigt werden müssen.

Bezug und Einsatz
Das Spiel SimWald wurde für die Öffentlichkeitsarbeit und die Zielgruppe Schule erstellt. Bisher wurde das Spiel auf dem Hessentag 2007, der IdeenExpo 2008 und der Grünen Woche Berlin 2008 eingesetzt. Das Spiel kann über das Internet gespielt werden. Es ist auch möglich SimWald in einem lokalen Netz oder einem einzelnen PC einzusetzen. Die notwendigen Installationsdateien können Sie von der NW-FVA anfordern. Das Spiel wird kostenlos unter dem Lizenzmodell General Public Licence weitergegeben.